Bürgervorsteher in der Segeberger Zeitung

24. August 2018

Städtepartnerschaften unbedingt erhalten Hans-Jürgen Scheiwe ist neuer Bürgervorsteher, Ur-Kaltenkirchener und ein alter Hase in der Kommunalpolitik

Bürgermeister Hanno Krause und ich haben eine Chemie, die stimmt.

Hans-Jürgen Scheiwe, Bürgervorsteher

Von Klaus-Ulrich Tödter, SZ

Kaltenkirchen. „Ich spüre eine große Akzeptanz sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik. Und darüber freue ich mich sehr“, sagt Kaltenkirchens neuer Bürgervorsteher Hans-Jürgen Scheiwe (CDU). So sei ihm jüngst bei einem 90. Geburtstag, wo er dem Jubilar im Namen der Stadt gratulierte, gesagt worden: „Endlich mal wieder ein Ur-Kaltenkirchener an der Spitze der Stadtvertretung.“

Man merkt dem 67-jährigen Bezirksschornsteinfegermeister an, dass ihm dieser Zuspruch gut tut und ihn motiviert. So gab es nach seiner Nominierung durchaus kritische Fragen, ob Scheiwe diesem Amt gewachsen sei, für das die CDU nach der Kommunalwahl das Zugriffsrecht hatte. Denn der Bürgervorsteher leitet die mitunter nicht leicht zu händelnden Stadtvertretersitzungen und muss außerdem als höchster Repräsentant der Stadt neben Bürgermeister Hanno Krause bei vielen Anlässen auch Reden halten. Der gebürtige Kaltenkirchener möchte allen Zweiflern beweisen, dass er das kann. Deshalb hat er auch bereits an Fortbildungsmaßnahmen für Kommunalpolitiker teilgenommen, die zum Beispiel Gesprächsführung, Rhetorik und Sitzungsleitung umfassen. „Das bringt viel“, gibt der neue Bürgervorsteher zu, der kommunalpolitisch ein alter Hase ist. „Aber deshalb muss man sich trotzdem weiterentwickeln.“

Scheiwe, seit 31 Jahren CDU-Parteimitglied, zog 1994 in die Stadtvertretung ein. Er war Vorsitzender zahlreicher Ausschüsse, stellvertretender Bürgervorsteher, Fraktionschef sowie auch zehn Jahre Ortsvorsitzender der Christdemokraten. 15 Jahre gehörte er auch der CDU-Kreistagsfraktion an, war Mitglied im Kreisvorstand der Partei. Dabei blieb er stets bescheiden und drängte sich nie in den Vordergrund. Dass das neue Amt der Höhepunkt seiner kommunalpolitischen Karriere ist, gibt er unumwunden zu. „Das ist schon etwas ganz Besonderes.“ Aber für den Bürgervorsteher ist auch klar, dass für ihn nach Ablauf der Amtszeit in fünf Jahren Schluss ist, denn dann sei er schließlich über 70.

Scheiwes zwei Amtsvorgänger – Rüdiger Gohde und Kurt Barkowsky – hatten ihre größeren und kleineren Probleme mit dem Bürgermeister. Vor allem Gohde hatte die Dominanz des Verwaltungschefs beklagt und sich teilweise ausgegrenzt gefühlt. Diese Sorgen hat Scheiwe nicht. „Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen. Und das wird auch so bleiben“, ist er sich sicher, „denn wir haben eine Chemie, die stimmt“.

In seiner Eigenschaft als Bürgervorsteher hat Scheiwe auch den Vorsitz in der Arbeitsgruppe Städtepartnerschaften inne. Im Gegensatz zu seinem Vor-Vorgänger Gohde, der ihnen kaum noch Zukunftschancen gab, hält Scheiwe aber daran fest und möchte sie unbedingt ausbauen. Mit Kalisz Pomorski in Polen laufe schon recht viel. „Und im November werden wir mit einer Delegation dorthin reisen.“ Mit Putlitz in Brandenburg möchte er den Austausch hingegen intensivieren. „Vielleicht können wir hier zum Beispiel etwas über die Parteienschiene anschieben.“ Mit Apenrade in Dänemark werde der Kontakt hauptsächlich über die Feuerwehr gehalten. Doch auch hier sollte man versuchen, daneben etwas aufzubauen, wünscht sich der Bürgervorsteher, der auch klar Position zu einem ganz aktuellen politischen Thema bezieht: der geplanten Erweiterung des Rathauses. „Das daneben stehende Gebäude muss abgerissen werden. Da gibt es keine Alternative“, so Scheiwe. Genau aus diesem Grund sei es vor Jahren von der Stadt auch mit seiner Ja-Stimme gekauft worden. Erhaltungswürdig ist für ihn das Gebäude, das einst als Druckerei, Redaktionssitz und Schuhhaus diente, jedenfalls nicht.

Scheiwe unterstützt den Bau eines Kultur- und Veranstaltungszentrums, das er für dringend erforderlich hält. Dass in der Stadt zu wenig für die Jugend angeboten wird, gefällt ihm nicht. Hingegen findet er es schön, dass Kaltenkirchen trotz des Baubooms in den vergangenen Jahren immer noch eine Stadt im Grünen sei.

Nach Hobbys gefragt, braucht der Bürgervorsteher nicht lange nachzudenken. Natürlich die Feuerwehr, wo er fast 50 Jahre Mitglied ist und inzwischen zur Ehrenabteilung gehört. Und natürlich die drei Enkelkinder. „Mit ihnen Zeit zu verbringen, ist einfach toll.“ Und mit Ehefrau Inge unternimmt er gerne längere Fahrradtouren. „200 Kilometer am Wochenende sind da schon mal drin.“ Inzwischen ist das Ehepaar aber auf E-Bikes umgestiegen.